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Philosophische Wühlarbeit

26. Juni 2016

Sonntag – Da bleibt Zeit ein wenig ins Wurfphilosophische abzutauchen, mal kurz ganz nach unten also. Bevor uns EM und Brexit wieder einholen.

Häufchen schaufeln, das ist eine muntere Tätigkeit, eine, bei der man aber auch einschlafen kann. Dies zu vermeiden betreibe ich philosophische Wühlarbeit, indem ich einen kleinen Diskurs zum Menschen im Angesicht des Maulwurfes in meinem Frontlappen reifen lasse; Alles und mehr über einen Unterirdischen, sozusagen. Nun gut.

Vom existentialistischen Standpunkt aus betrachtet sind Maulwürfe dem Menschen nahezu gleichwertig. Sie errichten architektonisch anspruchsvolle Bauten, lassen sich tagsüber die Sonne auf den Bauch scheinen, sehen einfach cool aus (was sie positiv von 97% des Homo sapiens-Bestands abhebt) und organisieren sich bei Bedarf in wehrhaften Wehrwurf-Gruppen gegen ihre natürlichen Feinde. Kurzum, sie sind also jeder Hip-Hop-Gang ebenbürtig.

Maulwürfel Philosophie

 

Aus dieser Perspektive betrachtet scheint mir der von der menschlichen Gattung erhobene Anspruch „Höchstes aller lebenden Wesen“ als zumindest fragwürdig. Spätestens beim Zappen durch die menschgemachten Fernsehkanäle wird aus der Vermutung ein trauriger Fakt: Brechreizaffine Sendungen wie „Bauer sucht Frau“, Der Bachelor“, „DSDS“, „Dschungelcamp“ und und und lassen keinen Zweifel: Der Maulwurf wirkt seltsam erhöht. Und dennoch bleibt er immer am Boden, übt intellektuelle Demut und wühlt sich beharrlich durch die Erde.

Auch sieht er bekanntlich nicht gut. Und dieses bedauerliche anatomische Merkmal hat seinen tieftraurigen Grund:

Gerade geworfene Maulwurfwelpen keimen an die Erdoberfläche um einen direkten Blick in die Menschenwelt zu wagen: Beim Anblick des erstbesten Jugendlichen in tief hängenden Baggy Jeans versagt ihm gnädigst das Augenlicht und er erblindet sofort. Traurig, nicht wahr?

Wie passt da eigentlich zusammen, dass ich regelmäßig von großen und kleinen Menschenkindern zu hören bekomme: „Ich mag den Maulwurf, er hat so was Erdverbundenes.“ – ganz nackt und ohne Baggys.

Ich denke, wenn Maulwürfe Menschen sein wollen dürften, wären sie wenigstens saufende Rocker.

In diesem Sinne einen gepflegten Sonntag noch,

Ihr Maulwürfel.

 

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