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5 Jahre Twitter – Eine Retrospektive

26. März 2016

Twitter 2010.

Mein Start ins Microblogging: Twitter?!

Ich hatte nicht die geringste Ahnung davon, was dieses ‚Twitter‘ überhaupt sein sollte; Man möge 140 verfügbare Buchstaben mit sinnvollem oder sinnleeren Inhalt füllen? Wie geht das, was soll das, wen interessiert das überhaupt?

So fing es zunächst zaghaft an; 1-2 Tweets im Monat, testweise. Schnell verwaiste mein Interesse an diesem Medium, wohl auch mangels Feedback. Der Twitter-Account blieb stumm; it was Facebook-Time. Irgendwann in 2011 dann zurück, der Funke sprang tatsächlich über; ich war angefixt. Sehr bald entwickelte sich Twitter für mich zum täglichen Treffpunkt einer neuen Art der Kommunikation, ohne Hierarchien, ohne Barrieren, europaweit, live, die Vision eines ungefilterten Von-sich-Gebens. Unverkrampftheit inklusive.

Es folgten Twittertreffen, RL-Begegnungen, Kennenlernen von netten Menschen. Die Euphorie Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein. Vermeintlich.

Der Account wuchs. Erst mühsam, dann den Gesetzen der Mathematik folgend schneller; ein Algorithmus nahezu exponentieller Form. Und mit der Größe verschwand die Unbeschwertheit. Wuchsen die Anfeindungen, selbst das Engagement gegen kommerziellen Klau unseres geistigen Eigentums (#madebytwitter) durch einen Buchverlag wurde von Teilen der Twittergemeinde als Selbstdarstellung einiger abgetan, boykottiert, verrufen.

So änderte sich mein Blick auf dieses Medium und die, die es mittels ihrer oftmals followerstarken Accounts befeuern. Mein negativen Erlebnisse mit sympathisch geglaubten Accounts verdichteten sich; immer öfters glaubte ich den Narzisst im Gegenüber durchschimmern zu sehen. Auf sein Wohl, seine Credibility fixiert, berechnend beim Posten, sich verweigernd bei „uncoolen“ Kommunikationsritualen wie Replies & RTs.

Es war keineswegs ein Phänomen, dass nur mich traf; Ich registrierte hasserfülltes Bashing, verbale Prügeleien, virale Aufgeregtheit, irrationaler Neid auf Followerzahlen von vielen. Gegen viele.

Und doch; ich blieb. Mit einigen temporären Unterbrechungen, aber ich blieb. Es gab auch Sonnenschein.

Und leide bis heute unter meiner Wahrnehmung, wonach Twitter sich immer mehr zu einem Ort entwickelte, wo Menschen aus der Kombination von realem Frust und virtueller Wut eine neue Plattform gefunden hatten diese zu artikulieren. Gegenüber Mitmenschen, Politik und Gesellschaft.

Die innere Zersplitterung auf Twitter jedenfalls, die hieraus entsteht, die Abschottung, die Selbstbestätigung, die Selbstspiegelung, die Echoräume, die Blasen der Zustimmung und der Ablehnung, in denen sich die Menschen hinter den Accounts bewegen, führen dazu, dass sie ihre Ansichten mehr und mehr absolut setzen, dass sie Zweifel ausblenden, dass sie oft nach den einfachen Wahrheiten suchen, die wahlweise vom Algorithmus oder von ihren Followern geliefert werden, die wiederum vom Algorithmus motiviert sind.

Ich selbst bin keineswegs frei davon. Auch ich polarisiere, bin „toxisch“, weil Kommunikation entweder nur noch unter Leuten stattfindet, die ja sowieso meiner Meinung sind oder aus Angst vor vermeintlichen Kommunikationsfehlern (‚Reply from hell‘) unterdrückt wird. Mir blieben 120 Followings. Handverlesen.

So gibt es kein einziges, großes Twitter mehr, sondern Tausende von Schubladen in denen sich Gruppen zusammengefunden haben, die sich gegen Andersdenkende und Anderstwitternde abschotten. Vielleicht war dies immer schon so. Ich übersah es nur.Twitter_logo_201016

Twitter 2016.

Ein Gedankenspiel zum Schluss dieser Bilanz: Eine Wunsch, eine fixe Idee reift zusehens in meinem Kopf. Von einem Microblogging, das weder Favs noch Follower kennt. Das leise ist & respektvoll. Hierarchielos, zahlenlos. Vielleicht. Ein Ausstiegsszenario?

Ich wünsche meinen Lesern ein wundervolles Osterfest 2016. Draußen.

Ihr Maulwürfel.

From → Twitter

One Comment
  1. SireFrido permalink

    Nun ja…
    Man kann es so sehen. In Teilen sicher auch richtig.
    ABER: Es ist nur Twitter. Mögliche Basis für vertiefende Kontakte. Im RL.
    Meines Erachtens nicht mehr. Nicht weniger.
    Twitter wird nicht mein Leben / meine Laune bestimmen. Es hat schlicht nicht diesen Stellenwert. Eventuell ist das Abstrahieren Grundvoraussetzung, um an Twitter Spaß haben zu können.

    Schöne Ostertage und Ahoi! aus Hamburg. 😉

    Liken

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