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Alles hat ein Ende nur die ESC-Wurst hat zwei

11. Mai 2014

Glückwunsch Frau Wurst, Herr Neuwirth, liebes ORF,

zum Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC), ihr Kalkül ist aufgegangen.

Nein, sie hatten keines? Sorry.

Gerade im aktuellen politischen Umfeld (Homophobie in Russland etc.) musste doch funktionieren, was dann auch funktionierte: Man nehme eine diskriminierte Randgruppe (musikalisches Talent eher zweitrangig) und propagiere den ESCAuftritt zu einem politischem Statement für Toleranz & gegen Diskriminierung.

Eurovison Song Contest Winner 2014 - die österreichische Dragqueen Conchita Wurst.

Eurovison Song Contest Winner 2014 – die österreichische Dragqueen Conchita Wurst.

Und so lass man bereits vergangene Woche, dass laut der russischen Website NEWSru in Weißrussland sogar eine Petition gegen die Teilnahme von Conchita Wurst beim ESC gestartet worden sein soll. Die ESC-Teilnahme des Österreichers wird darin als „beleidigend“ betitelt. Mit der Nominierung werde eine Lebensweise propagiert, die für Weißrusslands Gesellschaft völlig „inakzeptabel“ sei. Die Initiatoren der Unterschriftensammlung gehen sogar noch weiter – Wurst sei eine Gefahr für Kinder: „Dank der europäischen Liberalen hat sich der populärste internationale Wettbewerb, der von unseren Kindern gesehen wird, zu einer Brutstätte der Sodomie entwickelt“, zitiert die Tiroler Tageszeitung.

Etliche Hinweise auf diese offenen homophoben Anfeindungen fand man im Vorfeld der Veranstaltung in den Medien. Wer mag da nicht pro voten?

So war dieses Jahr -geschickt im medialen Vorfeld der Veranstaltung lanciert- insbesondere wohl die europäische Gay-Community, die Transsexuellen und Transgenderten aufgerufen ihr Votum zu platzieren. Ergänzt von allen, die von Homophobie und Intoleranz (und Russland sowieso) ganz allgemein den medialen Kanal voll haben.

Wenn in diesem, an musikalischem Flachwasser nicht mehr zu überbietenden Song Contest ein bärtiger Travestiekünstler quasi qua „Rise like a Phoenix“ gewinnt, ist das eine Stimme für mehr Toleranz in Europa die einen Stinkefinger an den Nationalismus sendet. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Um dies ganz deutlich zu sagen: Dafür hätte ich auch votiert. Bei einer Europawahl.

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Ja es war ein politisches Votum beim ESC, kein musikalisches. Und ein deutliches Zeichen gegen Intoleranz und (man beachte die Buhrufe) gegen Russlands Potentanten. Wenn man die diversen Foren im Internet überfliegt, scheint die ursprünglich für den 25. Mai angesetzte Europawahl bereits gestern in Dänemark entschieden worden sein: Da liest man auf SPON online heute z.B.:

 „Nachdem wir in diesem Jahr einen erzkonservativen Rollback erleben durften, der hauptsächlich gegen uns LGBT-Personen gerichtet ist, aber auch gegen Atheisten, Frauen, Laizisten, Liberale (≠ Freidemokraten) und Demokraten, ist es eine Art Genugtuung, die Erzkonservativen ob des Sieges dieser hochtalentierten Sängerin geifern zu sehen…“

Sorry geht’s noch? 0 Points hierfür jedenfalls; Dann nennt den ESC bitte nicht Musikkontest, sondern „Vote for freedom & tolerance“ 

Ok, der Vollständigkeit halber noch kurz meinen Eindruck zum musikalischen Wert des Titels: Der Song „Rise like a Phoenix“ ist m.E. eine trivial-bombastische Kitschexplosion die von Conchita halbwegs humorvoll performt wurde und zumindest als würdige Nachfolgerin von Udo Jürgens, der 1966 den Wettbewerb für Österreich gewann, gelten kann. Aber Song & Darbietung erreichen nicht annähernd die Qualität meines persönlichen Favoriten, dem guten Holland-Beitrag von The Common Linnets („Calm After the Storm“, eine wirklich gelungene Dixie Chicks Nummer).

Aber über guten Geschmack lässt sich bekanntlich streiten; da würde mir sogar Harald Glööckler schulterklopfend zustimmen.

So hatte die diesjährige ESC-Wurst zwei Enden: Ein politisches und ein musikalisches. Oder war es doch nur eines?

In diesem Sinne,

einen entspannten Sonntag noch.

Ihr Moltroff

 

 

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From → Der Einwurf

One Comment
  1. Keine Einwände, nur der hollländische Song erinnert mich mehr an das Mark Knopfler/Emmylou Harris Projekt. Warum ich das jetzt unbedingt hier schreiben musste? Keine Ahnung. Ist auch egal.

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