Zum Inhalt springen

Manieren 2.0 oder: Entschuldigung, sind Sie asozial?

24. Oktober 2013

Manieren 2.0 oder: Entschuldigung, sind Sie asozial?

Ein ganz gewöhnlicher Tag im Leben der Kalifornierin und Youtube-Kanal -Betreiberin Charlene deGuzmant, der nur aus Situationen besteht, in denen die sie umgebenden Menschen ihre verehrten Smartphones zur Kommunikation mit irgendwas und irgendwem nutzen (oft auch nur zum Anstarren), während der gelebte Augenblick, die Wirklichkeit, das Reallife mit Charlene – und damit sie! – ignoriert wird…

Es war dieses kleine, zärtliche, nahezu lautlose Youtube-Video „I Forgot My Phone„, dass mich zunächst irritierte, dann zum Nachdenken anregte und letztendlich traurig zustimmen ließ.

Charlene, ihre Freunde und die Orte der Handlung sind frei austauschbar! Hier könnten statt der hübschen Kalifornierin auch Sie oder ich im herbstlichen Deutschland, mit Freunden eine Tasse Espresso im letzten warmen Sonnenlicht auf der Terrasse des Eiscafes in Köln oder München schlürfend, stehen.

Man könnte beliebige Szenen dazu addieren, z.B. das Mittagessen mit Kollegen in der Kantine, welches sich auf das Synchrontippen von WhatsApp-Messages reduziert wo früher über Kollegen gelästert wurde. Oder das Anschauen des Champions-League-Knallers Dortmund gegen Arsenal mit(?) und bei Freunden, Hunderte von „livestream commenting“-Tweets produzierend, während das Pils warm wird.

Verlernen wir zu sprechen, zu albern, zuzuhören, in irgendeiner Form zu interagieren während wir permanent filmen, Fotos aufnehmen und auf Facebook und Instagram posten oder tweeten, wie ‚geilomat‘ das Udo-Konzert war?

Sind wir eigentlich in diesen Momenten noch gedanklich und emotional „vor Ort“ oder ist es uns wichtiger, den Moment einzufangen als ihn livehaftig zu erleben?

Charlene schreibt in ihrem Blog „Ich habe jetzt erst schätzen gelernt, den echten Moment zu erleben: Leuten zuzuhören, ihre Gesichter zu sehen, Farben zu sehen, Gerüche wahrzunehmen, Essen zu schmecken – und erst jetzt habe ich begriffen, das jeder, ich eingeschlossen, nur an seinem Phone hängt. Das macht mich traurig. Ich arbeite daran, im Moment zu leben – ohne ihn zu instagrammen. Möchtest du nicht mit mir üben, das zu tun, vielleicht nur einen Tag, nur eine einzige Stunde lang?“

Nehmen wir es als Hilferuf oder Anstoß einmal unsere Display-abhängige Alltagskultur für einen Augenblick zu hinterfragen. Für mehr echtes Lachen statt Emoticons. Für mehr reale statt virale Kontakte. Für mehr Anrufe statt Anstupser.

Reduzieren wir ständig unser Leben zu posten – während es draussen an uns vorbeizieht!

Ihr Moltroff

Advertisements
Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: