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15 Monate später. Eine Suche nach dem Warum

Am 15.12.2016 kehrte ich Twitter den Rücken. Es lag Endgültiges in meinem damals letzten Tweet. Nun, 15 Monate später ein Zurück? Eine holprige Suche nach dem „Warum?“.
„Er ist wieder da“ freuen sich die Einen. „War ja klar, sie kommen alle irgendwann wieder“süffisieren die Anderen. Ambivalente Gefühle auf beiden Seiten. Das war zu erwarten.
Aber warum überhaupt? Warum zurück in dieses virenverseuchte Ökosystem Twitter, dem ich noch in Dezember 2016 in vorgenanntem Tweet Sprache als Krankheitserreger attestierte? Was sind meine Beweggründe, einen erneute, vorsichtige Annäherung an dieses Sodom und Gomorra medialer Selbstdarstellung zu begehen?
Nein vermisst habe ich Twitter in den letzten Monaten wahrlich nicht;
Ich ging stattdessen fremd, wühlte -ganz Wurf- meinen verwaisten Facebookaccount wieder hervor, trieb mich dort in Foren herum, die sich Themen wie „Tauchen in Deutschland“ , „Marsa Alam Fans“ (wg. Tauchen) oder „Genealogie“ verschrieben haben. Ab und an ein geschossenes Foto via Instagram gepostet. Soweit alles Sonnenschein.

Ja, es war keine schlechte Zeit; Ich habe z.B. bei meiner Ahnenforschung einen wahren Fundus an in die USA ausgewanderten Familienzweigen entdeckt und dorthin viel per Messenger & Facebook kommuniziert. Ja, da mache ich mir nichts vor; Ohne die Facebook-verrückten Amis wäre niemals ein Stammbaum-Ast von ca. 700 Personen (dead and alive) alleine in den Vereinigten Staaten entstanden…leider auch Trump-Wähler darunter, aber Sie wissen ja, man kann sich seine Familie nicht aussuchen 😉

Wie dem auch sei, das Grundübel von Facebook war alltäglich präsent;  Oberflächlichkeit, personifizierte Werbung, Müll-News. Und nun der Datenskandal von Cambridge Analytica. Nicht, dass ich mir jemals etwas vorgemacht hätte, was der liebe Zucker-Zwerg mit meinen Interessen vor hatte, aber so dreiste Manipulationsversuche? No thanks.
Ich zog also einen Schlussstrich und löschte meine Accounts. Illusionslos wohlgemerkt, dass wegen #deletefacebook doch noch jemand aufwache im Sunshine State.
Aber zurück auf Twitter? Keine gute Idee schrie ich mich an.
Alles schon vergessen? Die Wunden der vielen bösartigen, oftmals persönlichen Angriffe, die Anfeindungen im Kontext von #mademyday und anderer hier nachlesbaren Aktionen, die ich auf Twitter erleben durfte? Sicher nicht.

Ok, man wird weiser im Alter, sage ich mir, vielleicht auch abgestumpfter oder besser noch debiler; Alles was hilft eben..

Ich werde es also nochmals versuchen; Erneut reinschmecken in diesen süsssauren Sumpf. Es war ja nicht alles schlecht rede ich mir mutig zu und sehe mich nach meinem ersten Post der Neuzeit dann durch die sehr vielen freudigen Wiederhörensbekundungen alteingesessener Follower freudig berührt.

Aller guten Dinge sind also 3; Zurück zu 2. Male mit dem ursprünglichen Namen @Moltroff (hach da werden viele würgen) und vielen guten Vorsätzen, die ich mit den Wörtern „Distanz, Gelassenheit, Dosierung & Ausstiegssoption“ zusammenfasse. Politischer Humor -sofern nicht verlernt- im Vordergrund, das sollte gehen.

Wiederaufleben lassen möchte ich auch einige Postkolumnen, wie den sprichwörtlichen #EinwurfUmAcht, vielleicht auch Blicke ins Leben von Hannes Brahms© dem Regenwurmrüden…mal schauen was wird.

Persönliche Kontakte werde ich -gelernt- auf überschaubares Mass und Dosis reduzieren. Und eine Probezeit habe ich mir auf ärztlichen Rat hin auch verordnet 😉

Auf ein Neues,

Moltroff

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Kurzmitteilung

Wo warst Du?

Wo warst du als ich schweigend nach dir rief?
Wo warst du als mein Lebensmut tief schlief?
Nichts in Bahnen lief? Wo warst du?
Kalt ist keine Temperatur.
Kalt ist ein Empfinden.
Kalt ist diese Sehnsucht nur. Nach Wärme.
Nach Dir.
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Das gedruckte Sedativum – Beobachtungen im Wartezimmer

Das Wartezimmer meines Hausarztes macht seinem Namen alle Ehre. Herbst. Schnupfenzeit. Warten. Wartezeit. Wartelektüre.

Mein Blick fällt auf das leicht zerrupfte Sammelsurium an Zeitschriften, die der Lesezirkel pünktlich 4 Wochen nach Erscheinen der Hefte auch im fleckigen Einband an die Praxis liefert; Schöner Wohnen, Mein schöner Garten, Landidee, Landlust, Wanderzeit – kurzum das gedruckte Sedativum.

Ich frage mich, was diese Zeitschriften dem Leser vermitteln wollen und blättere zunächst gelangweilt, dann mit gesteigertem Interesse durch die „Landlust„; Stories wie „Die gute alte Obstleiter“, „Spinnen beobachten“ und „Schönes aus Filzschnüren“ reihen sich hier aneinander. Ein aufregendes Magazin macht anders auf.

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Und dennoch oder gerade wegen diesen Inhalten findet Landlust offenbar reißenden Absatz:

Nach 70 Minuten Warte- und 10-minütiger Behandlungszeit wieder Zuhause finde ich im Internet Zahlen zur Auflagenstärke der Zeitschrift; Demnach stehen im 3. Quartal 2016 ca. 940.000 verkaufte Exemplare der Landlust zu Buche. Damit zählt der Titel zu den 10 auflagenstärksten Kaufzeitschriften Deutschlands insgesamt. Zum Vergleich: Das von mir geschätzte Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ verkauft pro Ausgabe nur knapp mehr als 800.000 Stück. Noch.

Ich frage mich; Aber wer liest so etwas? Die Macher schreiben in ihrem Editorial darüber, was „verkopfte Menschen“ suchen würden – nämlich Glücksgefühle vom Werkeln daheim und im Grünen. Laut Eigenwerbung ist es „eine anspruchsvolle, gut situierte Zielgruppe, die die Nähe zum naturverbundenen, kultivierten Landleben verspürt“. Ich erinnere mich, dass die Süddeutsche Zeitung diese Spezies einmal als „Lohas“ (Lifestyle of Health and Sustainability), also die „gut verdienenden Städter, die ihr Müsli im Bioladen mischen lassen und den Rückzug ins Einfache suchen“ beschrieb. Keine Frage; das dürften die Leser von Landlust sein!

Ich erkenne in dem Blättchen und seinen Schwestern einen medialen Volltreffer hinein in den Nerv der Zeit mit einer wachsenden Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Natürlichkeit, Geborgenheit, Heimatsuche und Authentizität. Die Psychologie dieses Massenphänomens zeigt sich hierbei so offensichtlich wie mannigfaltig: Das rasante Tempo der globalisierten Welt, Terrorängste und populistische Präsidenten verstärkten die Zweifel an der gegenwärtigen Lebensführung. Immer mehr Menschen empfinden die heutige Welt als flüchtig, nur scheinbar und auf Sand gebaut. Begriffe wie „Heimat“ oder „ländlich“ stellen daher ein Sinnangebot zur Verfügung, das die Sehnsüchte nach einer heilen, unbekümmerten Welt stillen kann. Oder zumindest vorgeben dies zu können.

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Ein gedanklicher Blick zurück auf die Zeitschriftensammlung im Wartezimmer bestätigt meinen Verdacht: Der verkopfte, gut situierte Deutsche sehnt sich nach Landluft, eigenem Haus und Garten. Diese Rückbesinnung auf das Ländliche, das Klischee der heilen Welt findet sich -so fällt mir auf- nicht nur in den Medien sondern auch z.B. in der Mode, wo man Ende September regelmäßig sogar beim Discounter seiner Wahl zwischen Framstag-Schnäppchen und Lidl Deluxe „original bayrische“ Lederhosen & Dirndl zur Oktoberfestzeit findet.

Da ist es dann zum Erfolg von TV-Formaten wie „Expedition in die Heimat“ bis „Bauer sucht Frau“ nicht mehr weit. Landfrust inklusive.

Darauf einen Almdudler. Zum Wohle.

Ihr Maulwürfel

Sommer-Wuthit-Kollektion 2016 Vol.1

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🎤 Wutbürgermeister – Hartz4 gehört mir.

🎤 Die Pegida-Chorspatzen – Gauland du mein Seelenheil.

🎤 Völker-Bulli – Multikultibullshit.

🎤 Beatrix – Mein geliebtes Storchenland.

🎤 Höckido – Hetz the Netz.

🎤 Islamalarm – Axtamarm.

🎤 Die fidelen Bayernwäldler – I moag Maria statt Scharia


Exklusivedition im braunen Lederhosen-Cover.

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Zwei „Heimflug vom Asylbetrug“-Tickets für ihren persönlichen Hassflüchtling (sponsored by AFDAIR).

Der Blindgänger

Herr Maulwürfel war blind. Nein, nicht farbenblind sondern so richtig dunkel.

Und weil er die ihm vom Hörensagen bekannten Farben langweilig fand, dachte er sich neue Mischungen aus.

Aus blau und grün machte er blün; rot und gelb wurden ihm zu rolb, braun und weiß verschmolz er zu wau und rosa plus lila zu roli. Herrn Maulwürfel’s Farbphan­ta­siewelt sah nun ziemlich anders aus, aber mit der Zeit gewöhnte er sich daran und fand die Farben langweilig.

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Also erfand er wieder etwas Neues. Aus blün und rolb machte er blolb; aus waun und schwau wurde schwaun; und dann vereinte er blolb und schwaun zu schwolb. Da war die ganze Welt schrolbi. Herrlich dachte Herr Maulwürfel.

Doch auch das wurde ihm irgendwann langweilig. Deshalb machte Herrn Maulwürfel aus schrolbi – schwot und brelbi; aus brelbi – welb und brauli sowie aus schwot – grot und schwasa.

Da endlich war Herr Maulwürfel zufrieden.

Philosophische Wühlarbeit

Sonntag – Da bleibt Zeit ein wenig ins Wurfphilosophische abzutauchen, mal kurz ganz nach unten also. Bevor uns EM und Brexit wieder einholen.

Häufchen schaufeln, das ist eine muntere Tätigkeit, eine, bei der man aber auch einschlafen kann. Dies zu vermeiden betreibe ich philosophische Wühlarbeit, indem ich einen kleinen Diskurs zum Menschen im Angesicht des Maulwurfes in meinem Frontlappen reifen lasse; Alles und mehr über einen Unterirdischen, sozusagen. Nun gut.

Vom existentialistischen Standpunkt aus betrachtet sind Maulwürfe dem Menschen nahezu gleichwertig. Sie errichten architektonisch anspruchsvolle Bauten, lassen sich tagsüber die Sonne auf den Bauch scheinen, sehen einfach cool aus (was sie positiv von 97% des Homo sapiens-Bestands abhebt) und organisieren sich bei Bedarf in wehrhaften Wehrwurf-Gruppen gegen ihre natürlichen Feinde. Kurzum, sie sind also jeder Hip-Hop-Gang ebenbürtig.

Maulwürfel Philosophie

 

Aus dieser Perspektive betrachtet scheint mir der von der menschlichen Gattung erhobene Anspruch „Höchstes aller lebenden Wesen“ als zumindest fragwürdig. Spätestens beim Zappen durch die menschgemachten Fernsehkanäle wird aus der Vermutung ein trauriger Fakt: Brechreizaffine Sendungen wie „Bauer sucht Frau“, Der Bachelor“, „DSDS“, „Dschungelcamp“ und und und lassen keinen Zweifel: Der Maulwurf wirkt seltsam erhöht. Und dennoch bleibt er immer am Boden, übt intellektuelle Demut und wühlt sich beharrlich durch die Erde.

Auch sieht er bekanntlich nicht gut. Und dieses bedauerliche anatomische Merkmal hat seinen tieftraurigen Grund:

Gerade geworfene Maulwurfwelpen keimen an die Erdoberfläche um einen direkten Blick in die Menschenwelt zu wagen: Beim Anblick des erstbesten Jugendlichen in tief hängenden Baggy Jeans versagt ihm gnädigst das Augenlicht und er erblindet sofort. Traurig, nicht wahr?

Wie passt da eigentlich zusammen, dass ich regelmäßig von großen und kleinen Menschenkindern zu hören bekomme: „Ich mag den Maulwurf, er hat so was Erdverbundenes.“ – ganz nackt und ohne Baggys.

Ich denke, wenn Maulwürfe Menschen sein wollen dürften, wären sie wenigstens saufende Rocker.

In diesem Sinne einen gepflegten Sonntag noch,

Ihr Maulwürfel.

 

Veränderungen in sozialen Medien: Gehen oder bleiben?

MrsCgn

Der geschätzte Herr „Maulwürfel“ fragte heute auf Twitter folgendes:

Ich lese daraus eine sehr negative Sicht auf dieses Medium, die ich mich erstaunt. Ich hatte hier schon einmal dargelegt, wie ich Twitter sehe, und dass es meiner neugierigen Grundhaltung sehr entgegenkommt. Diese Faszination hat es für mich (noch) nicht verloren, ich denke ja eher, dass ich vieles noch gar nicht so nutze, wie ich es für meine Intentionen vielleicht tun könnte.  Ich bekomme jedenfalls von den erwähnten Bashings, dem irrationalen Neid oder verbalen Prügeleien so gut wie nichts mit. Was mich zur These führt, dass es durchaus in der Hand eines Nutzers liegt, was in welcher Form in die Timeline gelangt beziehungsweise an welchen Punkten ich immer weiter klicke oder eben nicht.

Der „Maulwürfel“ schreibt zum Beispiel:

Mein negativen Erlebnisse…

Ursprünglichen Post anzeigen 727 weitere Wörter

5 Jahre Twitter – Eine Retrospektive

Twitter 2010.

Mein Start ins Microblogging: Twitter?!

Ich hatte nicht die geringste Ahnung davon, was dieses ‚Twitter‘ überhaupt sein sollte; Man möge 140 verfügbare Buchstaben mit sinnvollem oder sinnleeren Inhalt füllen? Wie geht das, was soll das, wen interessiert das überhaupt?

So fing es zunächst zaghaft an; 1-2 Tweets im Monat, testweise. Schnell verwaiste mein Interesse an diesem Medium, wohl auch mangels Feedback. Der Twitter-Account blieb stumm; it was Facebook-Time. Irgendwann in 2011 dann zurück, der Funke sprang tatsächlich über; ich war angefixt. Sehr bald entwickelte sich Twitter für mich zum täglichen Treffpunkt einer neuen Art der Kommunikation, ohne Hierarchien, ohne Barrieren, europaweit, live, die Vision eines ungefilterten Von-sich-Gebens. Unverkrampftheit inklusive.

Es folgten Twittertreffen, RL-Begegnungen, Kennenlernen von netten Menschen. Die Euphorie Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein. Vermeintlich.

Der Account wuchs. Erst mühsam, dann den Gesetzen der Mathematik folgend schneller; ein Algorithmus nahezu exponentieller Form. Und mit der Größe verschwand die Unbeschwertheit. Wuchsen die Anfeindungen, selbst das Engagement gegen kommerziellen Klau unseres geistigen Eigentums (#madebytwitter) durch einen Buchverlag wurde von Teilen der Twittergemeinde als Selbstdarstellung einiger abgetan, boykottiert, verrufen.

So änderte sich mein Blick auf dieses Medium und die, die es mittels ihrer oftmals followerstarken Accounts befeuern. Mein negativen Erlebnisse mit sympathisch geglaubten Accounts verdichteten sich; immer öfters glaubte ich den Narzisst im Gegenüber durchschimmern zu sehen. Auf sein Wohl, seine Credibility fixiert, berechnend beim Posten, sich verweigernd bei „uncoolen“ Kommunikationsritualen wie Replies & RTs.

Es war keineswegs ein Phänomen, dass nur mich traf; Ich registrierte hasserfülltes Bashing, verbale Prügeleien, virale Aufgeregtheit, irrationaler Neid auf Followerzahlen von vielen. Gegen viele.

Und doch; ich blieb. Mit einigen temporären Unterbrechungen, aber ich blieb. Es gab auch Sonnenschein.

Und leide bis heute unter meiner Wahrnehmung, wonach Twitter sich immer mehr zu einem Ort entwickelte, wo Menschen aus der Kombination von realem Frust und virtueller Wut eine neue Plattform gefunden hatten diese zu artikulieren. Gegenüber Mitmenschen, Politik und Gesellschaft.

Die innere Zersplitterung auf Twitter jedenfalls, die hieraus entsteht, die Abschottung, die Selbstbestätigung, die Selbstspiegelung, die Echoräume, die Blasen der Zustimmung und der Ablehnung, in denen sich die Menschen hinter den Accounts bewegen, führen dazu, dass sie ihre Ansichten mehr und mehr absolut setzen, dass sie Zweifel ausblenden, dass sie oft nach den einfachen Wahrheiten suchen, die wahlweise vom Algorithmus oder von ihren Followern geliefert werden, die wiederum vom Algorithmus motiviert sind.

Ich selbst bin keineswegs frei davon. Auch ich polarisiere, bin „toxisch“, weil Kommunikation entweder nur noch unter Leuten stattfindet, die ja sowieso meiner Meinung sind oder aus Angst vor vermeintlichen Kommunikationsfehlern (‚Reply from hell‘) unterdrückt wird. Mir blieben 120 Followings. Handverlesen.

So gibt es kein einziges, großes Twitter mehr, sondern Tausende von Schubladen in denen sich Gruppen zusammengefunden haben, die sich gegen Andersdenkende und Anderstwitternde abschotten. Vielleicht war dies immer schon so. Ich übersah es nur.Twitter_logo_201016

Twitter 2016.

Ein Gedankenspiel zum Schluss dieser Bilanz: Eine Wunsch, eine fixe Idee reift zusehens in meinem Kopf. Von einem Microblogging, das weder Favs noch Follower kennt. Das leise ist & respektvoll. Hierarchielos, zahlenlos. Vielleicht. Ein Ausstiegsszenario?

Ich wünsche meinen Lesern ein wundervolles Osterfest 2016. Draußen.

Ihr Maulwürfel.

Zaungäste meiner Gedanken

Sie stehen da. Als Zaungäste meines Lebens, meiner Gedanken, meiner Welt: Meine Follower.

Als Zaungäste ruhen sie außerhalb des direkten Geschehens; meist verharren sie in gesicherter Distanz, bewahren sich eine Abstand gegenüber den Ereignissen die ich nahezu täglich in die Timeline spüle.

Der Zaun hilft dabei; er trennt, schafft physische Distanz ohne aber den Blick auf das Geschehen zu verhindern; Twitter bietet dem Zaungast den schnellen 140 Zeichen-Blick über den Zaun, serviert ihm kostenlos die „sprechende Kleinigkeit to go“ im ständigen Informationsrauschen und Lebensnebel. Perfekt für die 20sec-shortcut-Konzentration in Zeiten sinkender Aufmerksamkeitsspannen.

Der Zaungast liebt dieses gedanklich Kurzgebrühte, diesen manchmal so herrlich duftenden literarischen Espresso. Getrunken im Vorbeilaufen.

Und er liebt den Zaun. Dieser bietet ihm den gewissen Abstand, schafft eine imaginäre Grenze, die den Vorbeilaufenden entpflichtet; Kein zwanghaftes ‚Hallo‘, keine Notwendigkeit zum Small Talk, keine Pflicht sich nach dem Wohlbefinden zu erkundigen, wie dies beim Betreten des Grund und Bodens -höflichkeitshalber wohl- von Nöten wäre.

Das ist weder gut noch schlecht. Aber nicht immer akzeptieren wir das als Schreiberling, wünschen uns vielmehr eine Grenzüberschreitung, ein über-den-Zaun-klettern. Immer dann, wenn es uns an emotionalem Austausch mit den Zaungästen, an Empathie fehlt. Wenn an Stelle des Gefühls ein Dutzend undifferenzierter Emoticons ❤ treten. Das Herz zum kleiner 3 wird.

Dann keimt schon mal der Frust über den vielleicht ungeladenen, nicht zahlenden Zuschauer, der neugierig aber passiv über den Lattenzaun starrt.

Und dennoch glaube ich: Oftmals nehmen die Twitter-Zaungäste das Außer- und Ungewöhnliche präziser wahr als diejenigen, die sich mit mir inmitten des Getümmels -man nennt es wohl „reallife“ -bewegen. Schlussendlich ist es ja das Wesen der Tweets Kurzweil zu bieten, wenn sie gelungen sind. Sie sind dann wie Wolken, die schnell vorüberziehen, manchmal Stimmungen, bisweilen Erinnerungs- oder Geistesblitze.

So liefern sie humorvolle Erkundungen des Fremden, die zeigen, dass der Standort des Zaungastes oft vorteilhaft ist.

Einen schönes Wochenende und gehobenen Tweetlesegenuss wünscht,

Ihr Maulwürfel

Zaungast

 

 

 

 

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Kurzmitteilung

Graues Bunt

Graues Bunt

Diese Tage 
sie sind grau,
diese Tage,
sie sind bunt,
sie sind banal
manchmal besonders.
Sie sind 
wie immer, nur lauter.

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